Das Kommunikationsquadrat und Gewaltfreie Kommunikation

Das Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun ist eines der bekanntesten Kommunikationsmodelle und ich werde immer mal wieder in Workshops darauf angesprochen.
Schulz von Thun beschreibt, dass sprechende Menschen auf vierfache Weise wirksam sind – in seiner Theorie auf vier Botschaftsebenen.

Auf der SQuadratachebene steht die Sachinformation im Vordergrund, hier geht es um Daten, Fakten und Sachverhalte, die der Sprecher idealerweise klar und verständlich ausdrückt, der Hörer prüft drei Kriterien und reagiert entsprechend:

• wahr oder unwahr (zutreffend/nicht zutreffend)
• relevant oder irrelevant (sind die aufgeführten Sachverhalte für das anstehende Thema von Belang/nicht von Belang?)
• hinlänglich oder unzureichend (sind die angeführten Sachhinweise für das Thema ausreichend, oder muss vieles andere zusätzlich bedacht werden?)

Für die Selbstkundgabe beschreibt den Teil, in dem der Sprecher einen Teil seiner Persönlichkeit zeigt. Gefühle, Werte, Eigenarten und Bedürfnisse. Dies kann explizit (“Ich-Botschaft”) oder implizit geschehen. Der Hörer nutzt sein Selbstkundgabe-Ohr dazu innerlich Hypothesen darüber was mit Sprecher los ist.

Auf der Beziehungsseite sendet der Sprecher Signale dazu, was er von dem Hörer hält – in welcher Haltung er ihm gegenüber ist. Diese Beziehungshinweise werden durch Formulierung, Tonfall, Mimik und Gestik vermittelt. Der Hörer nimmt die auf dem Beziehungsohr eingehenden Informationen wahr, und fühlt sich wertgeschätzt oder abgelehnt, missachtet oder geachtet, respektiert oder gedemütigt.

Wenn jemand das Wort ergreift, möchte er in aller Regel etwas erreichen, hierzu dient der Appell. Er äußert Wünsche, Ratschläge oder Handlungsanweisungen – offen oder verdeckt. Mit dem Appell-Ohr fragt sich der Empfänger: Was soll ich jetzt tun – oder auch nicht tun?

Damit stellt das Kommunikationsquadrat zwar die Komplexität der menschlichen Kommunikation dar und es wird klar, wie störanfällig sie sein kann. Dass der Hörende empfängt, was der Sprecher sendet wäre der Idealfall, ist jedoch nicht die Regel.
Hier finde ich den Spruch von Steve de Shazer: Kommunikation ist eine Kette mehr oder weniger nützlicher Missverständnisse. Er bringt für es für mich auf den Punkt.

Ein Blick durch die Brille der Gewaltfreien Kommunikation auf das Modell:

Die Sachebene würde der Beobachtung entsprechen. Was sagt der andere konkret, was höre ich? Was sind wirklich Beobachtungen des Sprechers und was sind Urteile und Meinungen des Sprechers.
Die Selbstoffenbarung beinhaltet am ehesten Gefühl und Bedürfnis.
Der Appell findet sich in der Bitte wieder.
…für die Beziehungsebene gibt es keinen Schritt gegenüber, sondern findet ihre Entsprechung meines Erachtens in der Haltung in der ich Menschen begegne.

Kein entweder oder – sondern ein Beides

Ich nutze innerlich beide Modelle – das eine um zu erkennen, das andere um zu klären. Wie ich das meine?
Erkenne ich die Sachebene inklusive ihrer Bewertungen, kann ich mit meinem Verständnis von den Beobachtungen der GFK für Klarheit sorgen, worum es jetzt gerade geht. Es wird mir möglich mit meinem Gegenüber eine gemeinsame Realität zu schaffen.

Nehme ich die Selbstkundgabe wahr, kann ich Gefühle und Bedürfnisse entdecken (beim Aufrichtigen mitteilen meine eigenen und beim Empathischen Zuhören die des anderen). Der Appell ließe sich dort ebenfalls klären, damit ich eine konkrete Bitte aussprechen kann.
Als besondere Herausforderung empfinde ich die Beziehungsseite, ich würde sie als „das was mitschwingt“ beschreiben und braucht für die Klärung und das Ansprechen die Beobachtung und die eigenen Gefühle und Bedürfnisse mit einer abschließenden Beziehungs- oder Verbindungsbitte.
Im Netz findet sich das Beispiel in dem der Beifahrer sagt: Die Ampel ist grün! (Das kursiv Gedruckte sind die hörbar ausgesprochenen Worte)

Beifahrer (Sender) Fahrer (Empfänger) Beifahrer (Übertragung in die GFK)
Sachebene Die Ampel ist grün. Die Ampel ist grün. Das grüne Licht der Ampel leuchtet.
Appellseite Gib Gas, dann schaffen wir es noch. Ich soll schneller fahren. ich bin unsicherund brauche Zuversicht, dass wir während dieser Grünphase über die Kreuzung kommen.
Beziehungsseite Ich traue deinen Fahrkünsten zu, es noch vor Rot über die Kreuzung zu schaffen. Er hält mich für einen sicheren Fahrer, der auch mal was riskiert und findet das gut.
Selbstkundgabe Ich habe es eilig. Er möchte noch vor Rot über die Kreuzung kommen. Fährst Du bitte jetzt los. Einverstanden?

 

Mein Fazit:

Während Schulz von Thun die Komplexität sichtbar werden lässt, bietet die GFK für mich Raum für Lösung und Bewegung in der Sprache.Die GFK nutzt mehr Worte und lässt daher weniger Interpretationsspielraum beim Empfänger. So ist es möglich die „Missverständnisse“ zu reduzieren.

Angenommen die Situation wäre folgende: Er sagt zu ihr „die Ampel ist grün!“ – ich könnte mir vorstellen, dass die Beziehungsseite weniger positiv aufgenommen wird: Sie könnte so etwas wie: „Er meint wohl ich sehe das nicht, immer findet er was an mir rumnörgeln kann“. In meiner Phantasie kann ich mir das weitere Gespräch ohne Probleme ausmalen…

Für mich ergänzen sich diese beiden Modelle wunderbar im dem Reflektieren und Verstehen von Botschaften, um in einen verbalen Ausdruck und konstruktive Handlung zu kommen.

Wie finden diese beiden Kommunikationsmodelle für Dich zusammen? Oder siehst du dies ganz anders?

Herzliche Grüße
Maike

 

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