Von Problemen mit guten Vorsätzen und was neben realistischen Zielen noch doll helfen kann.

Der Jahreswechsel naht und es scheint mir, als sei dies zwangsläufig mit dem Thema gute Vorsätze verbunden. Ganz beiläufig im Gespräch mit anderen ereilt mich die Frage meines Gegenübers: „Und? Was nimmst du dir für nächstes Jahr so vor?“ Schwubs, je nach Antwort gehöre ich zu den Veränderern meiner Welt oder eben auch nicht. In der Stille wünsche ich mir natürlich, möge ich es doch bitte schaffen, etwas, das mich stört, zu verändern. Doch dies offen und wirklich motiviert anzupacken? Naja.

Wikipedia beschreibt den Vorsatz als eine Absicht, in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Verhalten auszuführen … und dabei bleibt es etwas Unverbindliches, ein Vorhaben, guter Wille oder Wunsch.

Was beschreibt das wirkliche Ziel

ZielCoaches, Berater oder Anleitungen im Umgang mit Vorsätzen im Netz bieten Unterstützung an, indem sie diesen Vorsatz über die Definition eines Ziels genau unter die Lupe nehmen und fixieren. Es gilt zu beschreiben, was, bis wann, wie viel, wie konkret umzusetzen ist.  Damit wäre dann auch der Unterschied zwischen Vorsatz und Ziel erklärt.  Der Vorsatz eher Wunsch und das Ziel als Visualisierung anhand von Zahlen, Daten und konkreten Handlungen.
Nach der Visualisierung spüren Coaches und Berater die Hindernisse auf dem Weg zum Ziel auf:

  • Fehlende Ausdauer
  • Zu hoch gegriffen
  • Die persönliche Schmerzgrenze zu hoch / zu niedrig
  • Fehlende Zeit
  • Fehlende Selbstdisziplin
  • Ablenkungen
  • Veränderung der persönlichen Prioritäten

und überlegen sich gemeinsam mit dem Coachee oder Klienten Wege, woher die Hindernisse kommen und wie damit umgangen werden kann. Wenn Sie mögen, lesen Sie hierzu später im Anschluss diesen Artikel den von Burghard Heidenberger:  „Woran gute Vorsätze scheitern und wie Sie Ihre Vorsätze umsetzen“
Ich stimme dem zu: Es braucht Ziele, um dort anzukommen, wohin ich möchte, denn sonst findet sich der Weg nicht. Gleichzeitig braucht es für mich noch etwas anderes – etwas, das mich sanft durch die Tiefen trägt, wenn es mit den Schritten auf dem Weg in Richtung Ziel nicht so fließend läuft. Schwere und Stagnation machen sich vor den Hindernissen breit bis hin zu dem Punkt, an dem neben mir auch viele andere spätestens Mitte Februar stehen und zu der alljährlichen, kollektiven Überzeugung gelangen: Vorsätze bringen eh nichts!

Für mehr Durchhalten: Meinen Bedürfnissen auf der Spur

LupeEine mir sehr hilfreiche Frage, die mich in diesen Situationen oft unterstützt, fragt nach dem Ziel und Gefühl hinter dem Ziel. Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, dennoch …
Ein Beispiel: Ich habe das Ziel die Gewaltfreien Kommunikation (GFK) zu erlernen (und das beschreibt für mich einen langen Weg) selten nur unter dem Aspekt des Gelingens der Formulierung der vier Schritte oder des Lösens eines Konflikts betrachtet. Wäre das mein Ziel gewesen, hätte ich sicherlich häufiger alles hingeworfen. Da habe ich mein Ziel oft nicht erreicht. Beim Dabeibleiben trieben und treiben mich nach wie vor eher die Fragen an:

  • Was möchte ich, wie Menschen sich an mich erinnern?
  • Was erfüllt sich damit für mich?
  • Und wie fühlt sich das hier und jetzt gerade an, wenn es so eintritt?

Beim Innehalten und Forschen nach meinen Bedürfnissen, die mich dabei bewegen, komme ich auf: Verbindung und Bedeutung. Dafür habe ich eine hohe Bereitschaft oder auch Motivation mich immer wieder in Frage zu stellen, um eine Veränderung zu erreichen. In den Schritten der GFK habe ich eine Beobachtung in der Zukunft, die mir jetzt ein Bedürfnis erfüllt, dessen erfüllten Zustand ich jetzt fühlen kann. Das lässt mich am Ball bleiben.
Mit der GFK begeben sich Menschen auf eine Entdeckungsreise zu dem, was sie brauchen – sprich zu ihren Bedürfnissen. Dadurch werden sie spürbar im hier und jetzt.

 

Die entscheidenden Fragen

Eine der häufigsten Fragen, die wir in unseren Trainings stellen: Was soll sein? Was brauchst Du? Und was erfüllt sich für dich? Zwei Fragen mit denen wir uns in unserem eigenen Lernen und unsere Teilnehmer und Klienten begleiten.
Habe ich die Antworten auf diese drei Fragen, komme ich mit meinen Bedürfnissen, dem guten Grund meines Handelns und somit meiner Motivation in Verbindung. In einen nächsten Schritt geht es darum körperlich zu spüren, wie es sich in mir anfühlt, wenn ich diese Bedürfnisse erfüllt sind. Was wird dann möglich? Wie fühlt sich das an? Und wie fühlt sich das jetzt in diesem  Augenblick an? Welche Energien werden dadurch frei? So bekommt der gute Vorsatz für das Jahr eine langfristige Perspektive – eine persönliche Vision, die ich gerade fühlen kann und für die es sich lohnt Veränderungen anzupacken.
In meinen Beratungen vertraue ich drauf, dass Menschen diesen – ihnen eigenen, inneren Zugang – zu genau dieser Qualität in ihrem Leben finden. Damit entdecken sie leichter die notwendigen nächsten Schritte und folgen beständiger ihren Vorsätzen – insbesondere dann, wenn der innere Schweinehund sich meldet.

Was sie nebenbei finden können: Ihre stabile Mitte,  die, wenn gefunden, den einen oder anderen guten Vorsatz vielleicht gänzlich überflüssig macht. Meist liegt bereits im Erkennen der Bedürfnisse ein Teil ihrer Erfüllung und damit steigt sehr wahrscheinlich das eigene Wohlbefinden.

Die Übersetzung der Vorhaben in Bedürfnisse

Laut Statista möchten Deutsche wieder mehr Sport treiben. Jetzt könnte man festlegen, 20 km in der Woche, in Abschnitten von 4×5 km mit dem Ziel etwas abzunehmen? Was habe ich davon? Langfristig? Geht es darum auch in späteren Jahren beweglich zu sein? Sich wohlfühlen wollen? Attraktiv zu bleiben? Welche inneren Bilder habe ich vor mir und was erfüllt es mir?

Vielleicht reicht dann auch ein Spaziergang oder ein Bummel in der Stadt ohne dass es eine schweißtreibende Angelegenheit werden muss, die alles Mögliche nach sich zieht in Form von Umziehen, Duschen … was, zumindest bei mir den Schweinehund manchmal jaulen, lässt. Vielleicht reicht auch schon die Entscheidung am kommenden Tag mit dem Rad zur Arbeit zu fahren aus, um die Vision zu bedienen anstelle des Schimpfens über den besagten Hund und der erneuten Bestätigung, dass „man Vorsätze schlichtweg nicht erfüllen kann“…

Stat_Vorstz_2016

Quelle: Statista.com

Ich war auf  meiner gedanklichen Reise bei Statista. Was sind die guten Vorsätze der meisten? Die Frage, die ich mir dabei beantworten wollte, lautete:
Was wären meine persönlichen Perspektiven, die mich langfristig reizen und antreiben? Was erfüllt sich mit dem Bild in der Zukunft?

  • Ich möchte mehr Sport treiben → Wendigkeit, Lebendigkeit, Selbständigkeit
  • Ich möchte mich gesünder ernähren → Leichtigkeit, Gesundheit, Lebendigkeit
  • Mehr Zeit mit Freunden und Familie → Verbindung, Geborgenheit
  • Karriereleiter → Zufriedenheit, Spaß, Sicherheit
  • Ich möchte mich verlieben → Zugehörigkeit, Geborgenheit, Nähe, Gemeinsames Erleben und Austausch, gemeinsames Wachstum
  • Ich möchte meine Laster aufgeben → Freiheit
  • Einen Traum erfüllen → puh 😉

Was wären Ihre? Mir gibt diese Bedürfnis-Reise Kraft, Energie und Perspektive. Es kommt mir vor, als stünde ich auf einer Art Fundament, das mich immer wieder erdet und Energie gibt, wenn meine Vorsätze in Form von definierten Zielen ihre Anziehungskraft verlieren.

Das waren meine Gedanken zu dem Ziel und den Gefühlen hinter dem Ziel. Mir erleichtert es das Dabeibleiben. Ich betrachte mich mit mehr Wohlwollen im Umgang mit Herausforderungen und bleibe freundlicher mit mir, wenn Schritte nicht gelingen.

Gerade schmunzle ich, da ich mich an die Worte meiner Trainerkollegin Monika Flörchinger erinnere: Wir scheitern uns voran…..Und genau das wird möglich, wenn ich weiß, was ich davon habe, wenn ich etwas für mich tue.

Übung vorhaben – Vorhaben übenAngebote

Mein Übungsangebot für Sie:

  1. Nehmen Sie ihr Vorhaben – gerne auch mal während des Jahres 😉 – nochmal genau unter die Lupe. Und stellen Sie sich die einfache Frage: Was erfüllt sich für mich durch mein Vorhaben? Wer Unterstützung möchte kann mit in dieser Liste von Bedürfnissen gerne inspirieren lassen.
  2. Haben sie eines gefunden, nehmen Sie sich bitte 2 Minuten Zeit, schließen Sie die Augen spüren sie dem Gefühl nach, das sich in Ihnen regt, wenn sie sich vorstellen, dieses Bedürfnis sei erfüllt. Wo in ihrem Körper spüren Sie das? Was hätten Sie langfristig davon, wenn Sie das tun?
  3. Überlegen Sie sich ein Bild oder einen Gegenstand der dieses Gefühl symbolisiert oder verkörpert und positionieren sie es an einer Stelle, an der es sie gelegentlich darauf aufmerksam werden (Geldbeutel, Computermonitor, Spiegel …)
  4. Und kommt der innere Schweinehund und kläfft: Werden Sie sich Ihres Bildes und Bedürfnisses erneut bewusst, und nehmen sie sich die Zeit und spüren sie wie es sich anfühlt wenn es erfüllt ist und schauen, was Sie hier und jetzt dafür tun können.

Motiviert zu bleiben hat viel mit einem guten Gefühl zu einer Sache oder einem Ziel das ich verfolgen möchte zu tun. Deshalb: Bleiben Sie motiviert bezüglich dessen wonach Sie streben. Achten Sie auf das Ziel hinter dem Ziel → Ihr Bedürfnis und Ihrem Gefühl dazu.

Von Herzen alles Gute für Sie und Ihre Vorsätze

wünscht Ihnen

Maike Breitfeld