Nicht selten erzählen uns Menschen, dass sie eigentlich gar nicht mehr wissen, wie ein Streit oder Konflikt entstanden ist. Es war doch ein gutes Ansinnen, als sie in das Gespräch starteten und dann, scheinbar plötzlich, entbrannte eine hitzige Diskussion. Das geht irgendwie nicht zusammen – ein gutes Anliegen und Eskalation. Es fehlt auch nicht an der Idee, dass der oder die andere eine eigene Meinung haben darf – gleichzeitig nicht die, die in dem Augenblick erwidert wurde.

Mit einer Metapher beschreibe ich gern, wie es seinen Anfang nimmt:

Stelle Dir den Menschen als Haus vor. Darin stehen Möbel: Schränke, Bilder, Bett, Kommode, Schreibtisch….dein Haus ist eingerichtet, in einem Stil, der Dir gefällt, die Dinge sortiert, so dass Du Orientierung hast und mit den Einrichtungsgegenständen, die Du brauchst. Du sorgst beständig für dein Haus, kümmerst Dich so, dass es bewohnbar und nach Deinen Ideen auch gepflegt bleibt.

Nun gibt es viele Menschen auf der Welt. In der Metapher sind sie alle Besitzer ihres Hauses. Und jeder richtet es sich so ein, dass er oder sie sich wohlfühlt und bemüht sich darum, es auch so zu bewahren.

Im Leben sehen wir keine Häuser, sondern das Verhalten eines Menschen, wie er sich um sein Haus kümmert und bemüht. Mit manchem bist Du vielleicht einverstanden, anderes gefällt Dir in der Art und Weise nicht.

Konflikte, Missverständnisse, Rote Knöpfe – die gedrückt werden -, Diskussionen usw. entstehen (so meine Meinung), wenn wir uns in unseren Häusern besuchen und beginnen Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge oder Kritik an der Einrichtung oder dem Stil des Besitzers zu äußern, ohne dass derjenige danach gefragt hat.

Da kann das Anliegen, die Absicht oder Intention noch so gut gemeint gewesen sein – der Verlauf hängt sehr davon ab, wie sich der Gesprächspartner mit Deinem Besuch fühlt. Kennst Du den Spruch im Volksmund: „Auch Ratschläge sind Schläge“, dort dockt die Metapher an.

Woran erkennst Du so eine Situation?
Meist sind dieses mit Formulierungen: Er sollte…, sie müsste…, warum geht es nicht einfach, dass… usw. Diese Formulierungen zu erkennen, ist bereits ein wichtiger Schritt und die Ausgangsbasis für das Erkennen womit Alles seinen Anfang nimmt. Denn Dein Gegenüber wird prüfen, ob Deine Gedanken, Wünsche oder Erwartungen zu seinem „Lifestyle“ in seinem Haus passen würden. Er oder sie hätte gern die Wahl, etwas anzunehmen oder auch nicht.

Schenkst Du dem anderen ein Bild, das ihm nicht gefällt, ist die Freude darüber begrenzt. Es kommt ein „Danke“ und dann landet es im Keller. Du wunderst Dich darüber, dass es für Dich unsichtbar ist. Fragst Du danach, werden Gründe genannt, warum das Bild noch nicht hängt. Würde dieser Mensch das Bild aufhängen, um Dir eine Freude zu machen, fühlt er sich wahrscheinlich in seinem Haus unwohl – zumindest in der Nähe des Bildes.

Ist es das was wir wollen? Und gleichzeitig gerät doch etwas in Deinem Haus etwas durcheinander, wenn Du im Kontakt mit ihr oder ihm bist. Du kannst etwas nicht mit ansehen oder aushalten. Und nun?

Um die Falle des „Hausbesuches ohne Einladung“ zu umgehen, braucht es einiges an eigener Klärung. Denn in manchen Dingen erkennt man schwerlich den eigenen Anteil.

6 Schritte zur Selbstklärung:

  1. Erkunde Deine „Bedürfnis und Wertelandschaft“ mit der Frage: Worum geht es mir?
  2. Was soll mein Gegenüber tun, welche Idee schwebt Dir als konkretes Verhalten vor?
  3. Was bringt es Dir, was erfüllt sich für Dich, wenn Dein Gesprächspartner sich so verhält?
  4. Kommst Du auf ein einzelnes Wort, dass es beschreibt – ohne dass es ein Verhalten beschreibt – dann ist aller Wahrscheinlichkeit ein Bedürfnis (Bedürfnisliste)
  5. Richte dieses verbunden mit Deinem Gefühl in einer Bitte an den anderen.
  6. Oft ist es hilfreich, den anderen zuvor zu fragen, ob er etwas hören möchte.

Zwei Beispiele zur Erläuterung:

Beispiel 1 Beispiel 2
Die Situation – noch als Gedanke! Mutter: Du solltest Dich direkt nach dem Essen an die Hausaufgaben machen. Freundin: Dann Versuch doch mal mehr Sport zu machen, dein Gewicht würde sicherlich schnell sinken und du fühlst dich wohler.
1 – was ist in meinem Haus? Ich hätte gern dass es besser mit den Hausaufgaben läuft und nicht der ewige Streit entsteht. Sie soll endlich mal beginnen etwas gegen ihr Gewicht zu unternehmen.
2 – was soll der andere für sein Haus tun Mein Kind soll sich hinsetzen und die Hausaufgaben machen. Ich möchte, dass das Klagen aufhört, andere Themen besprechen können.
3 – welche Möbel gibt es beim andern Mein Kind würde Verantwortung für sich übernehmen. Es würde sich Gesundheit und Veränderung beim anderen für mich erfüllen
4 – welche Möbel betrifft es bei mir Für mich würde sich Entspannung und damit auch Kontakt und Verbindung zu meinem Kind erfüllen. Für mich würde sich Freude am Austausch und Präsenz im Gespräch erfüllen.
5/6 – wie geht´s mir mit meinen Möbeln und was kann ich in meinem Haus tun Ich bin angespannt, weil Kontakt wichtig ist, der mir in der Hausaufgaben-Diskussion jedes Mal verloren geht. Ich habe eine Idee, wie es anders gehen könnte, magst du sie hören? Ich bin etwas frustriert, mir ist ein Austausch über unterschiedliche Themen in unserer Freundschaft wichtig, ich möchte die Präsenz halten und dies gelingt mir zunehmend weniger. Ich würd dich gern etwas fragen, einverstanden?
7 – das Angebot, ich klopfe an und frage, ob ich reinkommen darf Wie wäre es, wenn in der Zeit nach dem Essen zunächst 15 min Mittagsruhe und dann 45 Minuten Hausaufgaben anstehen, als fest geplante Zeit… Wäre es für Dich eine Unterstützung, wenn wir gemeinsam darüber nachdenken, welche Möglichkeiten es für Dich gibt…

 

Es ist eine Chance den Anfang zu verändern, so dass der Verlauf ein anderer werden kann.  Und vielleicht hilft Dir das Bild, etwas für Dich zu erkennen.

Ich wünsche Dir eine sprachbewusste Zeit!

herzlich Maike

 

 

 

1 Antwort
  1. Ariane Brena
    Ariane Brena sagte:

    Liebe Maike,
    das Bild mit den verschiedenen Häusern verwende ich auch (habe es von meiner Trainerfreundin Nanette Höllerl geb. Kahler übernommen) mit Skizze und Erläuterung und einem „Merksatz“ zum Schluss unter der Überschrift „Das Geheimnis gelingender Kommunikation“ – die Idee, eine ganze Geschichte daraus zu machen, und auch, es sozusagen umgekehrt zu verwenden (Wie es zum Streit kommt), gefällt mir gut. Danke!
    Ariane

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